Ziele erreichen mit Angst und Schuld

Furchtappel und Schockstrategie

Ich möchte mal mit einer kleinen Selbstreflexion starten, bevor ich mit dem Finger auf Andere zeige. Es ist ein Mittel, das die Meisten von uns einsetzen, ohne uns dessen bewusst zu sein: Das Erreichen unserer Ziele mit dem einflößen von Angst.

  • Dem Partner drohe ich ihn zu verlassen, wenn er nicht macht was ich brauche.
  • Den Kindern drohe ich mit Fernsehentzug, Hausarrest, ich erhebe meine Stimme, manchmal schreie ich sogar.
  • Als Organisationsberater habe ich früher auch Angststrategien unterstützt. Wie bekommt man Mitarbeiter dazu, sich auf eine Veränderung einzulassen, wenn einem nichts Besseres einfällt? Durch Angst vor den Folgen von Stillstand des Unternehmens, ganz einfach. Steht sicher auch so oder ähnlich im Management-Handbuch.

Es ist ein zutiefst menschlicher Zug, mit der Emotion Angst zu arbeiten, und deswegen seit jeher eines der zentralen Mittel von Regierungen, Institutionen und Gemeinschaften.

Ein Beipiel, das mir sofort dazu in den Sinn kommt, sind die Aufdrucke auf Zigaretten-Schachteln. Hier wird massiv mit Angst vor Krankheit und Tod gearbeitet, und ja, eine Seite in mir findet DAS sogar in Ordnung.

Eine andere Seite in mir findet das Arbeiten mit Angst ganz und gar nicht in Ordnung. Es entmündigt den anderen vollständig, spricht ihm die Fähigkeit ab, eigenverantwortlich zu handeln. Angst schwächt zudem die erwachsenen Kompetenzen eines Menschen. Ich kann dabei zuschauen, was in mir passiert, wenn es Jemandem gelingt mich einzuschüchtern: Ich werde zum Kind und habe keinen Zugriff mehr auf alles, was ich als Erwachsener kann. Ich fange an mit kindlichen Mustern zu reagieren. Und Angst schwächt die Widerstandkräfte des Organismus; sehr kontraproduktiv, gerade, wenn es um ein gesundheitliches Thema wie Corona geht.

Es ist für mich auch total nachvollziehbar, dass sich die Regierung nicht nur Gedanken darüber macht, über Einschüchterung und das Instrument Schockstrategie ihre Ziele zu erreichen. Sie praktiziert es auch intensiv, und in Zeiten von Corona sogar mit massivsten Mitteln.

Nachvollziehbar ist es, ja, aber ich akzeptiere es nicht. Nicht mehr. Eigentlich habe ich es auch im Frühjahr schon nicht akzeptiert, aber wenigstens noch verstanden. Es herrschte halt allgemeine Unsicherheit; und dann lieber etwas überziehen als zu wenig tun. Mittlerweile ist für jeden, der nach der Wahrheit sucht erkennbar, dass es keine Bedrohungslage nationaler Tragweite mehr gibt, schon lange nicht mehr. Die Regierung kann und will aber nicht mehr davon lassen, warum auch immer. Im Gegenteil, es wird gerade zurzeit die Daumenschraube wieder angezogen, es wird mit immer mehr Repressalien gedroht und auch hier und da schon verprobt. Es ist deutlich zu spüren, dass die Regierung (als Berater würde ich sagen: das System) ein Armdrücken betreibt und mit allen Mitteln gewinnen will. Und die Mittel werden schleichend mehr. Stück für Stück wird der Selbstermächtigungs-Raum des Regierungs-Systems erweitert, faschistische Züge kriechen unmerklich und das Reden und Handeln der Legislative und Exekutive; und der immer noch größere Teil der Bevölkerung kann oder will es nicht sehen. Aus Angst.

Ich spüre sie auch, diese Angst. Sie lähmt auch mich und hindert mach daran, für mich und meine Kinder so zu gehen, wie mein gesunder Menschenverstand es mir aufträgt.

Gepaart wird die Schockstrategie mit der Schuldstrategie. Und auch diese funktioniert bei einer großen Zahl der Menschen: Wir müssen die Schwachen schützen, die Alten und Gefährdeten. Wenn du keine sinnlose Maske trägst, dann machst du dich schuldig. Oder, wie es Markus Söder zur 10-jährigen Matilda sagt, sinngemäß: Dann bist du schuld, wenn deine Eltern und Großeltern sterben! (das Transkript kann man bei diesen huldig ergebenen „Fakten“checkern nachlesen, macht die Aussage aber auch nicht wirklich besser. Eine 10-Jährige ist nicht doof und versteht die Botschaft; bei meiner 10-Jährigen jedenfalls ist das so).

Perfider geht es kaum noch. Naja, doch, in einer Zeit vor meiner Zeit hatten sie noch mehr drauf. Aber wir sind ja auch noch nicht am Ende…

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