Wie sollen wir jemals wieder zusammen kommen?

Das Bild, dass wir ein Volk wären oder waren hätte ich sowieso nie unterschrieben. Aber spätestens seit der Causa Corona gibt es einen so unglaublich tiefen Riss durch die ganze Gesellschaft wie lange nicht mehr. Politik, Behörden, Leitmedien und ein großer Teil der Bevölkerung steht um ihre Gesundheit sorgend auf der einen Seite; ein wachsender, um seine Freiheit und Selbstbestimmtheit besorgter Teil der Bevölkerung auf der anderen Seite des Corona-Grabens. Wie soll dieser Grand Canyon jemals überwunden werden?

Bereits im April hab ich einen Blog mit dem Titel Ein Riss geht durch Volk geschrieben. Es ging sehr schnell, dass sich die beiden stark polarisierten Lager zum Thema Corona herausbildeten: Glauben oder nicht glauben, das ist hier die Frage. Ich habe viel darüber nachgedacht, wovon es eigentlich abhängt, ab welcher Seite wer steht. Intelligenz und Bildungsgrad sind es nicht; man findet auf beiden Seiten sehr intelligente und hoch gebildete Leute.

Mein vorläufiges Fazit ist etwa das

Was unser Denken und Handeln am stärksten beeinflusst sind unsere größten Ängste und Befürchungen einerseits und unsere tiefsten Sehnsüchte und Bedürfnisse andererseits.

Das können reale Ängst um das eigene Leben oder das der Menschen die einem wichtig sind sein. Das kann die Angst um die eigene wirtschaftliche Existenz (den Status Quo) sein. Das kann die Angst um die soziale Zugehörigkeit sein. Das kann aber auch die Angst vor dem Verlust der Freiheit und Selbstbestimmtheit sein.

Obwohl ich immer schon kritisch war, gab es für mich trotzdem viele Wahrheiten, die von Wissenschaft, Politik und Medien geprägt waren. So geht es wahrscheinlich den meisten. Wir leben in einer vom Mainstream konstruierten Welt. Ich betrachte das im Übrigen nicht als Verschwörung. Das ist lediglich ein Ineinanderwirken verschiedenster komplexer Grundmechanismens des menschlichen Seiens und Wollens.

Viele haben sich so tief in ihrer Konstruktion verrannt, dass es quasi kein Entrinnen mehr gibt. Der Glaube, dass es so und nicht anders ist, ist unerschütterlich; auch bei mir.

Viele haben sich so tief in ihrem Handeln verstrickt, sich so weit aus dem Fenster gelehnt und schwerwiegende Entscheidungen getroffen, dass es für sie kein Zurück gibt ohne fundamentalen Gesicht- oder gar Existenz-Verlust.

Bei sehr vielen von uns haben sich die erzeugten Ängste auf krankmachende Weise tief im Organismus verankert. So tief, dass es lange Zeit brauchen wird, bis wieder ein natürliches Grundvertrauen ins Leben, in die gesellschaftliche Grundordnung und in „die Anderen“ entstehen kann. Bei mir bsw. ist das Vertrauen in Politik und Behörden, Judikative und Exekutive sowie Medikative so tief erschüttert, dass es schwer vorstellbar ist, mich diesem System jemals wieder „unterzuordnen“.

Auf beiden Seiten werden die Aktivitäten zunehmend stärker, teilweise verbitterter und auf beiden Seiten wird ein Einknicken immer unwahrscheinlicher. Es ist nicht vorraussehbar, wo das enden kann, außer in Bürgerkrieg und/oder einem Abdanken der Regierung vielleicht.

Aber was dann? wie kann diese Republik zukünftig überhaupt noch einvernehmlich geführt werden? Wem kann man vertrauen? wem nicht? das gilt für beide Seiten. Es wird ein langer Aussöhnungsprozess notwendig werden, um am Ende einander wieder verzeihen zu können und zu einem gemeinsamen Weg bereit zu sein.

Und es braucht eine bewusste, transparente, aufrichtige, schonungslos wahrheitssuchende aber gleichzeitig auch wohlwollende und wertschätzende Aufarbeitung dessen, was passiert ist. Die Sichtweisen der jeweils Anderen muss gehört, gesehen und akzeptiert werden. Gleichwohl darf es keine Schönfärbungen geben.

Ich frage mich nur, was auf nationaler Ebene passieren muss, damit das möglich ist. Solange die Macht auf einer der beiden Seiten liegt, wird so ein Prozess dort nicht stattfinden. Er kann nur von unten gestartet und beschritten werden. Wachsend und immer kraftvoller werdend. Das ist der einzige Weg, wie mir scheint. Das System muss erst ein gewisses Maß an Heilung erfahren. Vorher darf es nicht kippen, sonst landen wir im nächsten Desaster. Das hat die Geschichte oft genug gezeigt.


Du musst mit der Wahrheit beginnen.
Die Wahrheit ist der einzige Weg,
auf dem wir irgendwohin gelangen können.

Weil Entscheidungen,
die auf Lügen oder Unwissenheit beruhen,
nicht zu einem guten Ergebnis führen können.

Julian Asange
Australischer Journalist, WikiLeaks-Gründer

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