Wissenschaftliches Arbeiten, oder „wie Wirklichkeits-Verzerrungen entstehen“

Prolog

Was ich schreiben werde könnte man schnell in die Ecke von Verschwörungstheorie schieben, wenn man derleich Erfahrungen noch nicht gemacht hat. Ich beziehe mich in meinen Aussagen auf ganz konkrete eigene Erfahrungen in meiner Arbeit als Ingenieur.

Ich habe 8 Jahre als Versuchsingenieur in der Entwicklung und 8 Jahre als Berechnungsingenieur in der Forschung gearbeitet.

Als Versuchsingenieur ging es darum, ein Produkt hinsichtlich bestimmter Komfortmerkmale zu untersuchen und daraus bei Bedarf Veränderungen am Produkt vorzuschlagen. Es war allerdings so, dass die Untersuchungen erst zu einem sehr späten Entwicklungsstadium durchgeführt werden konnten, und jede Änderung am Produkt sehr teuer und aufwändig war. Also musste man schon sehr profunde Messergebnisse vorweisen, um das zu erwirken. Aber wenn man an bestimmte Maßnahmen schon per se glaubt, diese sich jedoch nicht in dem Maße nachweisen lassen, dass sich die Entscheider beeindrucken lassen, entsteht eine Dilemma-Situation: Entweder ich gebe auf oder … ja, oder ich präsentiere die Ergebnisse auf eine Art, die am Ende doch überzeugend wirken. Das ist wiederum kein Problem. Ich kann jede Messkurve, ohne dass ich die Daten verändere, so darstellen, dass sie eine gewünschte Botschaft suggeriert. Und genau das habe ich getan und damit die Maßnahme quasi erzwungen. Weil es schließlich aus unserer Expertenmeinung heraus richtig war; auch wenn es sich leider experimentell nicht nachweisen ließ.

Das Irritierende daran ist: Erst Jahre später ist mir überhaupt erst bewusst geworden, mit welchen unwissenschaftlichen, unlauteren Mitteln ich da gearbeitet habe.

Glaube und Wahrheit

Warum erzähle ich das? Weil mir dieser Effekt seither immer wieder ins Auge sticht. Experten, die Schweißperlen auf der Stirm haben, wenn sie ihre Ergebnisse verteidigen.

Das, was das RKI und die Virologen Drosten & Co in den letzten Wochen präsentieren hat aus meiner Sicht noch viel schlechtere Qualitäten. Die Basis ihrer Schlussfolgerungen sind unfassbar schlechte oder genau genommen nicht vorhandene wissenschaftliche Daten. Frag dazu irgend jemanden, der sich mit Statistik ein bisschen auskennt.

Hypothese 1: Einige Experten glauben aus welchen Gründen auch immer an ihre Schlussfolgerungen. Reden sich aber um Kopf und Kragen in der Herleitung aus den vorhandenen Daten.

Dilemma: Die große Mehrheit der Bevölkerung inkl. der Medien kann das nicht beurteilen, geschweige denn widerlegen. Den Rest kann man leicht zu Quaksalbern und Verschwörungstheoretikern denunzieren.

An der Nadel

Ein weiterer Effekt, dem ich erlegen bin ist das Streben nach eigenen Projekten, nach Projektgeldern, über die man dann als Projektleiter verfügen kann. Das ist ein tolles Gefühl. In der Forschung ist mir das erste Projekt zugeflogen, als es darum ging, BMBF-Fördermittel zu nutzen. Man muss mit diesen Mitteln dann Ziele des BMBF unterstützen. Das Unternehmen hatte auch Interesse an dem Thema und so wurde ein (unbeliebtes) Projekt kreiert und ein Projektleiter gesucht. Ich griff zu, war seelig und meine Projektleiterkarriere begann. Wenn man erst mal verstanden hat, wie es geht, kann man sehr leicht Anzahl der Projekte und Höhe des Projektbudgets steigern. Man ist wer, man „verfügt“ z.B. über 1 Mio € pro Jahr und ist auf eine Art unabhängig. Nicht ganz leider, denn da ist ja noch der Geldgeber, der damit bestimmte Ziele und Interessen verknüpft. Also musste ich schon ein bisschen dafür sorgen, dass er mit den Ergebnissen auch glücklich ist. Sonst gibt es definitiv kein Folgeprojekt.

Warum erzähle ich diese Geschichte? Weil es für viele Menschen nichts schöneres gibt als über Projektgelder verfügen zu können und damit eigenen Visionen nachzugehen. Und in der Medizin gibt es Geld, sehr viel Geld. Woher? Nicht vom Staat, doch auch, aber im Wesentlichen aus der Pharma-Industrie. Da wächst das Geld aus den Taschen und es wird natürlich sehr gezielt überall in der Forschung platziert … wenn die Forscher auch schön nachweisen, was dem Geldgeber gut tut.

Hypothese 2: Einige Experten haben sich Schritt für Schritt in eine existenzielle Abhängigkeit von Interessenverbänden und Industrien geritten und es gibt eigentlich kein Entrinnen. Einmal an der Nadel, immer an der Nadel.

Schwarmdummheit

Das nächste Dilemma eines Experten habe ich erlebt, als ich durch meine Arbeit auf Fakten gestoßen bin oder Ergebnisse erarbeitet habe, die der herrschenden Meinung in der Peer-Group widersprach. Wenn du auf Ungereimtheiten in den Veröffentlichungen anderer stößt, wenn du selber Ergebnisse hast, die etwas anderes aussagen oder die Aussagefähigkeit der Anderen in Frage stellen, ist das wie ins Wespennest stechen. Zieh dich schon mal warm an. Das kann man aus einem geschützen Raum heraus vielleicht noch machen, aber ab da wird man mindestens ignoriert. Hat man keinen geschützten Raum lässt man es besser und geht konform mit den Aussagen oder sucht sich einen anderen Job. Hab ich am Ende alles gemacht.

Ein weiterer Grund ist, dass man in einem komplizierten, hierarchisch strukturierten Konkurrenz-Gefüge, wie es oft in wissenschaftlichen Fachgebieten vorliegt, niemandem weh zun will oder darf. Wer das schon mal durch hatte ist gebrannt. Und außerdem gilt die Regel: Eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus.

Es gilt insgesamt also nicht die gute alte Synergie-Weisheit: Das Ganze ist mehr als die Summe ihrer Teile. Nein, in einem Fachbereich kommt es nicht selten zu einem kollektiven Kompetenzabfall und Entfernen von wissenschaftlichen Grundprinzipien.

Hypothese 3: Einige Experten kommen zwar aufgrund ihrer wissenschaftlichen Arbeit auf andere Ergebnisse als der Mainstream, aber aus sehr verstehbaren, existenziellen Gründen wagen sie es nicht, diese zu veröffentlichen. Tun sie es doch erleben sie einen kollegialen Shitstorm.

Es gibt sicher noch mehr Effekte, aber die Beschriebenen sind zum einen sehr verbreitet und zum anderen hoch wirksam und führen dazu, dass in einem Fach-Kollektiv Wirklichkeits-Verzerrungen entstehen, die zudem auch noch irreversibel sind. Es gibt da kaum ein Entkommen, außer es kommt aufgrund einer großen Fehleinschätzung zu einem hohen Schaden. Dann wird nach Aufklärung gerufen, es gibt Ausschüsse und Verfahren.

Und für kurze Zeit erliegen wir der Illusion, dass es jetzt besser wird. Aber die Mechanismen sind mächtiger als wir Menschen und stärker als die Wahrheit. Wir erliegen unseren Sehnsüchten und Bedürfnissen nach Autonomie, Macht und Einfluss sowie Anerkennung und Ansehen bzw. haben Angst vor dem Verlust.

Das ist der Grund, warum ich lieber auf mutige, unabhängige, langjährig erfahrene und unabhängige Experten und Wissenschaftler schaue und meine Meinungsbildung eher von ihnen abhängig mache als von einem Mainstream, der zudem oft von journalistischen Nicht-Experten manipulativ gestützt wird.

Der Mainstream ist aber leider aktuell so mächtig, dass Abweichler nicht geduldet werden. Es ist aus wissenschaftlicher Sicht erschreckend, was sich gerade abspielt. Ich bin sehr gespahnt, ob es eine Aufklärungswelle geben wird … und wann sie wieder vergessen wird.

Ich werde dafür auf die Straße gehen, soviel ist sicher.

Und du?

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